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Dislike: Verkäuferinnen mittleren Alters und ihre Enkel

Heute mache ich den Anfang für meine neue Wutbürger-Kolumne über Menschen, die einfach scheiße sind und beginne mit einem ganz besonderen Menschenschlag: Verkäuferinnen mittleren Alters  (VmA) in Geschäften mit je nach Abteilung more-or-less hochwertiger und hochpreisiger Kleidung.* Mittleres Alter ist eigentlich ein Euphemismus, weil die VmAs doch eher älter als mittelalt sind. Da sie aber so großen Aufwand betreiben, ihre faltigen Gesichter glatt zu spachteln und sich doch nochmal in Größe 34 zu quetschen, sei ihnen die Bezeichnung gegönnt. Zum gleichen Menschenschlag gehört auch die nächste Generation, die die VmA sicherlich mühevoll herangezogen hat: den schnöseligen Verkäufer mit Nickelbrille im Anzug, der sein Auftreten durch nasale Sprechweise, Fliege und Bubi-Face kompletiert.
Klingt verwirrend? Mag sein. Ich werde jetzt mal konkreter. Sogar gleich ganz konkret, denn es geht jetzt mal darum, dass wir am Wochenende (wieder) bei Breuninger in Karlsruhe waren, um in Trauzeugenbegleitung die Krawatten auszusuchen.
Der Krawattenkauf war mal wieder eine ungeheuer einfache Angelegenheit – mit Herrn Freund, Herrn Trauzeuge und Herrn Kumpel von Trauzeuge im Schlepptau, steuerte ich auf den Krawattentisch zu, kramte mein Stoffmuster aus den Tiefen meiner Tasche, hielt es an die erste Krawatte, die mir in die Hände kam… Die Farbe war identisch, die Krawatte gab es zwei Mal – Mission Krawatte, für die ich grob 30 Minuten eingeplant hatte, war nach 30 Sekunden completed. Und weil das so einfach war und Herr Trauzeuge noch keinen Anzug hatte, wurden meine teilweise protestierenden Begleiter weiter zu den Anzügen in den dritten Stock geschleppt. (Rudimentäre Bridezilla-Züge, die sich da langsam bei mir zeigen.)
Oben angekommen schwärmten wir aus, um uns einen Überblick zu verschaffen und wurden direkt von einem schnöseligen Jungverkäufer belehrt, dass wir so keinen Anzug kaufen könnten. So bedeutet: mit einem Kapuzenpulli, den Herr Trauzeuge trug. Nagut, den Kapuzenpulli kann man ausziehen, dachten wir uns wohl alle gleichzeitig, aber da wir auf den Schnöselheini sowieso keine Lust hatten, ließen wir ihn von dannen ziehen. 
Herr Trauzeuge ging dann mit den beiden anderen Herren mit dem Anzug der Wahl, den wir nach kurzer Zeit fanden, zu den Umkleidekabinen, wo der Schnöselheini und ein paar gespachtelte Verkäuferinnen mittleren Alters damit beschäftigt waren, um ein zukünftiges Ehepaar herumzuschwirren, die bestimmt keinen reduzierten Anzug für die Hochzeit gekauft haben. Denn auch wenn das Angebot an reduzierten Anzügen derzeit riesig, gefühlt fast so groß wie das Angebot an nicht-reduzierten, ist, ignorieren die VmA und ihre schnöseligen Enkel gekonnt jeden, der sich auch nur dort umschaut. Das ging an diesem Samstag nicht nur uns so, sondern auch anderen, die im Gegensatz zu uns vielleicht sogar gerne Hilfe gehabt hätten und etwas hilflos durch die Gänge irrten, um das Geschäft dann schließlich ohne Anzug und absolut unzufrieden zu verlassen. 
Man muss sich also über die Einstellung der VmA und der Schnöselheinis
wundern, die sich lieber zu dritt die Provision für einen teuren Anzug
teilen, als sich auch mal um Kunden zu kümmern, die einen
mittelpreisigen oder reduzierten Anzug kaufen wollten und dann verärgert wieder gehen.
Meine Herren schafften es auch ganz allein, einen wunderbaren Anzug auszusuchen und als sie aus der Anprobe zurückkamen und mir halb lachend, halb genervt vom “elitären Scheißgeschwafel in der Nachbarkabine” (Zitat Herr Trauzeuge) berichteten, freute ich mich schon fast, dass auch ich etwas zu erzählen hatte, das dazu passte. Denn nicht nur die Herren wurden von den VmA und Bubi-Faces ignoriert, sondern auch ich: Während der Anzug in der Umkleide probiert wurde, saß ich nämlich mit den Krawatten der Wahl und Jacken beladen in der Sitzecke, in der auf einige andere Begleiter(innen) Zuflucht gesucht hatten, als eine der VmA ankam und jedem der dort Verweilenden einen Espresso anbot – außer mir. Ich fühlte mich ein bisschen wie bei dieser Werbung für die Auskunft, bei der die Currywurstbude wegfährt, habe aber hoffentlich nicht ganz so doof geguckt. 
Ihr dürft das jetzt auch nicht falsch verstehen: Ich lege nicht besonders viel Wert darauf, während dem Einkaufen einen Espresso zu bekommen und es ist mir durchaus bewusst, dass ich in Alter, Kleidung (Mütze von H&M), Aussehen (too little Spachtelmasse) und Auftreten (ich sehe einfach nicht elitär genug aus, vollkommen egal, wieviel Geld gerade auf meinem Konto ist und wieviel ich bereit bin auszugeben) nicht der bevorzugten Zielgruppe  der VmA im Breuninger angehöre, aber es gehört doch wirklich einiges an Unverschämtheit dazu, mehreren Personen, die sich in der gleichen Situation befinden, etwas anzubieten und einer nicht. (Oder sehe ich das zu eng? Ich glaube, ich frage mal bei Breuninger nach, ob die VmA mit diesem Verhalten etwas spezielles verfolgen.)
Die Krawatten und den Anzug haben wir also ohne Hilfe ausgesucht und dann auch gekauft, die VmAs schwirrten vermutlich noch einige Zeit länger wie die Motten um das etwas besserzahlende Paar in der Garderobe und wir wundern uns mal wieder ein bisschen über die Welt wie sie ist.
* Mein Beispiel bezieht sich auf ein Bekleidungsgeschäft, es gilt aber in ähnlicher Form beispielsweise auch für ein Autohaus, das wir besuchten, als mein Vater vor einigen Jahren auf der Suche nach einem neuen Auto war (das er dann auch noch dort kaufte) und das ich persönlich nie wieder betreten werde.

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11 Comments

  • Reply Antia

    Ich durfte vor kurzem auch mal Krawattendame spielen und meinem Freund für eine Hochzeit hier bei denen eine aussuchen. Leider fanden wir das alles so absurd, dass er nun eine orangen Krawatt sein eigenen nett. Sorry wird sind einfach noch nicht so erwachsen wie Verkäuferinnen mittleren Alters 😀 Aber gute Story 🙂 Ich mag deinen Schreibstil sehr.

    17. Februar 2012 at 09:25
  • Reply Flora

    Ich musste immer wieder grinsen und zustimmend nicken bei deinem Post. Aus Klamottenläden kenne ich dieses Phänomen auch, aber dort stört es mich nicht wirklich, da ich gerne ungestörbt stöbere (Okay, manchmal finde ich es auch unhöflich…). Wirklich gestört hat es mich nur, als ich mir ein neues Rad kaufen wollte. Also kein 0-8-15 Rad, sondern ich wollte schon einiges an Geld ausgeben und mir ein Rad "für gut" (Touren) kaufen. In dem Radladen meiner Wahl wurde ich jedoch völlig ignoriert, obwohl ich 1. allein da war und 2. drei Verläufer dort waren. Nach einer halben Stunde (ich hatte mittlerweile eigenmächtig ein Rad herausgezogen, ausprobiert, zurückgestellt etc.) kam mein Vater um mir zur Seite zu stehen. Keine Minute später hatten wir einen Verkäufer an der Backe, mit der Frage, wonach mein Vater denn suchen würde!? Er meinte, dass nicht er, sondern ich ein Rad suche. Bei der Frage danach war es dann endültig vorbei mit dem Laden und mir. Der Verkäufer fragte tatsächlich meinen Vater, wonach ich denn suchen würde, so als sei ich nicht vorhanden. Mein Rad habe ich dann NICHT dort gekauft und lieber 1 1/2 Monate Wartezeit in Kauf genommen. Dafür hatte ich eine gute und nette Beratung und weiß, dass ich bei Problemen mit dem Rad auch immer in den Laden kommen kann. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich stimme deinem Post und somit dir zu 100% zu. Das gehört sich nicht!

    Liebe Grüße, Flora

    14. Februar 2012 at 14:00
  • Reply holunder

    das siehst du alles absolut richtig ! VmA = dislike deluxe.

    14. Februar 2012 at 11:26
  • Reply Miri von Miris Jahrbuch

    Hallo Ines, ich weiß, wie die in Stuttgart drauf sind. Da hatte ich schon den Fall, dass ich ignoriert wurde und als ich dann mit einem ganzen Haufen Klamotten auf dem Weg zur Kasse war, haben sie gesehen, dass es sich lohnen würde bei mir die Provision zu kassieren und wollten dann das Zeug für mich zur Kasse tragen (natürlich um vorher noch ihre Etiketten draufzukleben, damit sie Provision auch wirklich kriegen). Da bin ich dann aber wirklich mal sauer und laut geworden, das fand ich echt dreist. Erst ignorieren, weil sie denken, dass man sich eh nix leisten kan und dann noch Provision für's Nichtstun abstauben wollen. Das geht gar nicht.
    Und die Parfümabteilung ist ja sowieso überall am schlimmsten. Meinste wir sollen zusammen durch den Breuninger bummeln und uns ignorieren lassen? 🙂
    Gar nicht mehr hingehen wäre eine Alternative, allerdings sind die anderen Läden, in denen man gute Anzüge etc. kriegt, ja auch nicht weniger schnöselig. Da muss man dann durch, sich möglichst wenig aufregen und sich dann ggf. doch mal drüber auslassen – so wie ich heute. 🙂

    13. Februar 2012 at 18:42
  • Reply Liselotte Arty Farty

    Ach, wie herrlich. Bombastischer Post, wer kennt es nicht.

    Diese Snob-Verkäufer… schrecklich! Grrr 😉

    13. Februar 2012 at 18:36
  • Reply Anonym

    Hej Miri, ach was musst ich grinsen, als ich deinen Bericht gelesen hab! Breuninger ist da aber echt auch extrem! Am aller krassesten ist aber das Stuttgarter Stammhaus, in der Parfümerie sind die Verkäuferinnen am dollsten angemalt, sagenhaft! Mir ist es schon häufig ähnlich wie dir ergangen, vorallem in den exquisteren Abteilungen, eigentlich sollte man wirklich nicht mehr hin gehen, aber manches gibts halt nur da. Komm doch mal nach Stuttgart, dann bummeln wir zusammen durch. In einer elitären Privatschule arbeite ich übrigends auch… da ist man dann ja schon manches gewöhnt! Viele Grüße, ines

    13. Februar 2012 at 13:39
  • Reply Goldengelchen

    Deswegen ja auch der Konjunktiv. Denn leider ist man ja manchmal, wie du schon schreibst, auf solche Läden angewiesen.
    Meistens schlepp ich bei sowas meine Mutter mit (die für mich eh oft ne gute Einkaufsberatung ist – schleppt mir alles an, holt es dann in der richtigen Größe, wenn es nicht passt, ist kritisch&ehrlich (sowas, was einem die meisten Verkäuferinnen nie sagen würden à là "du hast echt nicht den Hintern für das Kleid" oder so ;-)). Aber auch dann wird man manchmal sogar noch ignoriert… meine Mutter trägt zwar kein H&M sondern Marken-Klamotten, aber halt bunt und nicht so ete petete zugespachtelt.
    Na dann bin ich aufs Kleid gespannt. Ich schätze, spätestens, wenn der Herr Freund zum Herr Mann wurde, wirds hier hoffentlich ein Foto zu sehen geben 😉

    13. Februar 2012 at 09:36
  • Reply Goldengelchen

    Hast du schön beschrieben, ich kann es mir bildlich vorstellen. Ich mag solche Verkäufer(innen) auch nicht.
    Eigentlich dürfte man dann dort aus Protest nix kaufen.
    Wünsche dir trotzdem nen schönen Wochenstart. Wie siehts eigentlich in Sachen Kleid aus?

    LG, Denise

    13. Februar 2012 at 09:02
  • Reply Bittersüss und Tausendschön

    Hi Miri!

    Uiuiui also ich kann deine "Empörung" verstehen! 🙂 Ich finde es auch ganz wiederlich, wenn man nach dem Prinzip der zwei Klassen-Gesellschaft abgefertigt wird! "Haste nix, bist'de nix!" Und wenn du auch nach nix aussiehst, kriegst de' auch nix! 🙂
    Bei mir kommt dann auch Wut auf, und ehrlich gesagt hätte ich nicht gewusst, ob ich in der Espresso-Situation so ruhig reagiert hätte wie du! :o) Ich glaube mir währe ein doofer Spruch rausgerutscht! *hihi*
    Also sieh's nach dem Prinzip:
    Nicht ärgern, nur wundern! :o)
    Wer braucht schon die VmA's, wenn die bei mir angerannt kommen, schick ich die meist eh direkt wieder weg! *lach*

    Hab' eine schöne Woche!
    Liebe Grüsse,
    Nadine.

    13. Februar 2012 at 08:47
  • Reply Roboti und da Höm

    Du kannst mit dem Teil an die Tafel schreiben, blöd ist nur, dass die Dinger 100 mal so teuer sind wie normale Kreide….

    13. Februar 2012 at 08:31
  • Reply Roboti und da Höm

    Ich weiß nicht warum manche Menschen glauben es gäbe Menschen aus zwei Klassen und diese auch so behandeln??? Oder dachte die Verkäuferin du bist zu jung für Kaffee 🙂

    13. Februar 2012 at 08:28
  • Leave a Reply

    Ich stimme zu.